„Das Spiel ist der Beruf des Kindes“. „Spiel und Arbeit – die Arbeit des kleinen Kindes“. „Spielen bedeutet Lernen“.

Diese Aussagen lassen bereits darauf schließen, dass das (tägliche) Freispiel eine große Rolle für alle Entwicklungs- und Bildungsbereiche der Kinder spielt. Hier können sie Vertrautes und Erlebtes wiederholen und verarbeiten. Kinder inszenieren nicht verarbeitete Alltagserfahrungen in Spielhandlungen. Während das Gehirn die Handlungen im Spiel viele Male wiederholt, baut es Bewegungsschemata auf und wichtige Funktionen wie das Denken und die Sprache werden entwickelt. Diese Erfahrungen und Kenntnisse haben für die Entwicklung der Kinder eine sehr wichtige Bedeutung : alles was man sich selbst „erarbeitet“ und erschließt, hat eine viel nachhaltigere Wirkung als das was man „gezeigt“ oder „erklärt“ bekommt – denn Kinder reagieren unmittelbar körperlich und gefühlsmäßig auf alle Sinneseindrücke, nicht über den Verstand. Sie entwickeln somit im eigenen Spiel „Werkzeuge“ um die Welt zu erfassen und sie sich auf ihre Weise zu erschließen.Durch all diese eigenen Erfahrungen spüren die Kinder ihre eigenen Sinne und ihren eigenen Körper auf ihre eigene Weise. Sie wollen die Welt mit allen Sinnen erleben und sich bewegen. So lernen sie ihren Körper und ihre Grenzen kennen. Im Spiel können sie sich testen aber auch mit viel Spaß ihrem Bewegungsdrang nachgehen. „Sieben oder acht Jahre des Sich-Bewegens und Spielens sind notwendig, um einem Kind die Fähigkeiten zu vermitteln, die als Grundlage für seine intellektuelle, soziale und persönliche Entwicklung dienen kann“ (Jean Ayres)

Dem Freispiel, der sogenannten Ausatmungsphase, wird bei aus diesem Grund eine große Bedeutung zugeschrieben und somit ausreichend Raum gegeben. Es ist bedeutsam für

  • Die Entwicklung aller Sinne
  • Die Entwicklung des Denkens
  • Die Entwicklung der Sprache
  • Aufarbeiten innerer, seelischer Erlebnisse
  • Die Erprobung von Verhaltensmöglichkeiten
  • Die Entwicklung und Verfeinerung von Sozialfähigkeiten,

und dient nebenbei dem Vergnügen (Spiellust ist Lebenslust).

IMG_6539Hieraus ergibt sich, dass in der Waldorfpädagogik der Raum, das Spielzeug und die Erwachsenentätigkeit so gestaltet ist, dass sich das Kind in eine Umgebung begibt, in der es nachahmend er- und begreifen lernt, sodass es sich später mit Ernst dem schulischen Lernen widmen kann.

Es geht also nicht darum „spielerisch zu lernen“ sondern „lernen zu Spielen“.

Durch unausgestaltete Materialien und Gegenstände können die Kinder ihre geistigen Kräfte, inneren Bilder und ihre Phantasie vollkommen entfalten, was wichtig ist für die spätere Gehirntätigkeit beim Lernen.

Gerade die jüngeren Kinder wechseln häufig die Thematik in ihrem Spiel und verlieren in der Regel schnell das Interesse an einem Spielzeug, das nur für einen bestimmten Zweck verwendet werden kann.

Das Material und die Raumgestaltung werden also danach ausgewählt, möglichst viele Reize zur Aktivierung der Sinne zu schaffen

Die Materialien sollen also erst durch Phantasiekraft zum gewünschten, vollendeten Gegenstand werden. Diese “Arbeit“ wirkt nach Rudolf Steiner bildend auf das Gehirn.

So gibt es jeden Tag zwei Freispielphasen – eine in den Gruppenräumen und eine draußen im Garten. In der Freispielzeit im Garten können nochmals alle Sinne betätigt werden. Das Kind erlebt die Elemente der Natur: Erde (Sand), Wasser, Luft und – bei Festen – auch das Feuer (Licht).

IMG_6663Das Kind klettert, schaukelt, spielt mit Steinen oder Holz. In der „Matschkuhle“ darf mit Wasser, Sand, Steinen und Holz gebaut werden. Beim Stelzenlaufen, Seilspringen, bei Fang-, Hüpf-, Ball- und Kreisspielen schult es seinen Bewegungs- und Gleichgewichtssinn, es wird dabei gewandt und sicher.

Im Spiel erfährt es mit anderen ein soziales Miteinander, gegenseitige Hilfe und Rücksichtnahme, es muss Grenzen beachten oder Warten lernen.

Die Fähigkeit zu spielen ist eines der wichtigsten Merkmale der „geistigen Gesundheit“.

Das Kind soll dadurch, dass es seinen eigenen Spielimpulsen folgt, sein Lernen selbst bestimmen und die eigene Individualität voll entfalten können.